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Startups Existenzphilosophie Führung Verantwortung

Das Beste an euren Startups ist, dass sie sterben könnten

Kevin Rassner

Kevin Rassner

2 Min. Lesezeit
Startup-Büro im Abbau: Ideen und Kartons nebeneinander

Sterblichkeit als Quelle von Lebendigkeit

Peter Koestenbaum schreibt in seinem Werk The Vitality of Death, dass viele Menschen erst angesichts ihrer Sterblichkeit beginnen, wirklich zu leben. (In Confronting Our Freedom, das er mit Peter Block verfasste, entwickelt er diese Gedanken weiter im Kontext von Organisationen und Verantwortung.) Plötzlich verlieren all die Illusionen an Bedeutung – was andere denken, Scheitern, Prestige. Übrig bleibt das, was wesentlich ist.

Solange wir unsere Endlichkeit verdrängen, verbringen wir Zeit mit Dingen, die sich gut anfühlen, aber uns nicht wirklich frei machen. Wir vermeiden Risiko, statt Verantwortung zu wählen. Wir optimieren Komfort, statt Sinn zu suchen.

Genauso verhalten sich viele Organisationen. Sie leben in der Illusion der Unsterblichkeit. Jede strategische Planung, jedes interne Theater, jede bürokratische Selbstbeschäftigung dient oft einem Zweck: den Tod hinauszuschieben oder ihn zumindest zu leugnen.

Die Folge: Man arbeitet nicht mehr, um etwas Lebendiges zu gestalten, sondern, um den Schein von Stabilität aufrechtzuerhalten. Sicherheit wird gespielt. Veränderung wird simuliert. Führung wird zum Schauspiel, das Vertrauen erzeugen soll, wo eigentlich Angst herrscht.

Startups dagegen wissen: Sie könnten sterben. Jeder Tag ist potenziell der letzte. Und genau das macht sie lebendig. Entscheidungen werden unmittelbarer, Bedeutung entsteht durch echtes Risiko, und Gespräche haben Gewicht, weil sie Konsequenzen tragen. Die Endlichkeit zwingt zur Präsenz.

Vielleicht liegt darin ihr größtes Kapital – nicht in der Technologie, nicht im Geschäftsmodell, sondern in der existenziellen Wahrheit, dass alles auf dem Spiel steht.

Und vielleicht gilt das Gleiche für unser eigenes Arbeiten. Solange du so tust, als sei dein Arbeitsplatz sicher, die Firma ewig, dein Weg vorgezeichnet – bleibst du gefangen in der Simulation des Lebens. Erst wenn du ihre mögliche Endlichkeit anerkennst, beginnt echte Freiheit.

Das Beste an euren Startups ist, dass sie sterben könnten. Das Beste an eurem Arbeitsleben vielleicht auch.

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