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Plan B · Hintergrund

Die Methodik hinter dem Plan-B-Check

Der Plan-B-Check fragt zehn Bereiche ab und errechnet daraus einen Wert. Diese Seite zeigt, worauf die Auswahl dieser zehn Bereiche beruht, wie der Score entsteht — und macht ausdrücklich sichtbar, was davon auf Forschung fußt und was eine eigene, transparent ausgewiesene Kalibrierung ist.

Grundprinzip

Zehn Dimensionen, keine willkürliche Auswahl.

Die Auswahl und Gewichtung der zehn Dimensionen orientiert sich am Stand der Forschung zu Organisationsentwicklung und Selbstorganisation — von der sozio-technischen Systemforschung der 1950er-Jahre bis zu aktueller Motivations-, Wissensmanagement- und Wandelforschung. Jede Dimension im Check greift eine Frage auf, zu der es eine eigenständige Forschungslinie gibt, nicht nur eine plausible Alltagsvermutung.

Das gilt für die Auswahl der Themenfelder und ihre grundsätzliche Wirkrichtung. Es gilt ausdrücklich nicht für jede Nachkommastelle der Berechnung: Die genauen Gewichte, Zonen-Grenzen und Kostenformeln sind fachliche Einschätzungen aus der eigenen Projekterfahrung, keine statistisch ermittelten Kennwerte. Weiter unten steht, was zu welcher Kategorie gehört.

Die zehn Dimensionen und ihre Herleitung.

Jede Forschungslinie steht für eine oder mehrere Dimensionen des Checks. Die vollständigen Quellenangaben stehen im Literaturverzeichnis am Ende dieser Seite.

Macht & Loslassen

Ob Verantwortung wirklich verteilt wird, hängt nicht an der Struktur allein, sondern an echter Bereitschaft der Führung, Entscheidungsmacht abzugeben. Das zeigt sowohl die klassische sozio-technische Systemforschung als auch die moderne Selbstbestimmungstheorie der Arbeitspsychologie: Menschen übernehmen Verantwortung nachhaltiger, wenn sie echten Entscheidungsspielraum erleben, nicht wenn ihnen Befugnisse nur auf dem Papier zugewiesen werden.

Coaching-Bereitschaft

Ob ein Coaching- oder Entwicklungsprozess wirkt, hängt stark von der Veränderungsbereitschaft der Person selbst ab. Eine systematische Literaturübersicht zu wirksamem Workplace-Coaching identifiziert die Coaching-Motivation der gecoachten Person als einen der zentralen Erfolgsfaktoren, neben Vertrauen und Zielorientierung. Ergänzend zeigt die Forschung zur „Feedback-Orientierung", dass Menschen sich deutlich darin unterscheiden, wie offen sie Rückmeldungen aufnehmen, verarbeiten und in Verhaltensänderung umsetzen.

Besitzverhältnisse

Wirtschaftliche Teilhabe ist einer der am längsten erforschten Hebel der Organisationsentwicklung. Meta-Analysen über Jahrzehnte hinweg zeigen einen Zusammenhang zwischen Mitarbeiterbeteiligung und höherem Engagement, unter bestimmten Bedingungen auch mit wirtschaftlicher Leistung.

Wissensverteilung

Wie implizites und explizites Wissen einer Organisation zugänglich gemacht wird, beschreibt das SECI-Modell der Wissensschaffung — seit den 1990er-Jahren eines der einflussreichsten Modelle des Wissensmanagements und seither mehrfach empirisch untersucht.

Vertrauens- & Konfliktkultur

Ob ein Team offen über Fehler und Konflikte spricht, ist keine Wohlfühlfrage, sondern eine Voraussetzung für Lernfähigkeit. Amy Edmondsons Konzept der psychologischen Sicherheit gehört zu den am häufigsten repliziert Befunden der Organisationsforschung der letzten 25 Jahre.

Gelebte Selbstorganisation

Dass gelebte Selbstorganisation etwas anderes ist als ein Organigramm auf Papier, zeigen sowohl die klassische Studie zu teilautonomen Arbeitsgruppen im Bergbau als auch neuere Untersuchungen der Harvard Business School zu Unternehmen wie Zappos und Morning Star, die vor Übertreibungen ebenso warnen wie vor vorschneller Ablehnung.

Digitalisierung & KI

Wie Künstliche Intelligenz Wissen und Verantwortung in Organisationen verändert, ist ein junges, aber bereits aktiv erforschtes Feld. Diese Dimension stützt sich auf ein Whitepaper von TheDive, Inspiring Minds und der Universität Leuphana, das auf Interviews mit 15 Fachleuten aus Organisationsentwicklung und Technologie beruht, sowie auf Forschungsprojekte der Mittelstand-Digital Zentren zu KI-gestütztem Wissensmanagement.

Kundenbindung

Wie stark Kunden an einer einzelnen Person hängen statt am Betrieb, ist eine der zentralen Fragen der Nachfolgeforschung — und einer der Gründe, warum auf drei übergabereife Betriebe rechnerisch nur ein Nachfolge-Interessent kommt.

Wirtschaftliche Stabilität Tragfähigkeit des Geschäftsmodells

Bei aller Verschiedenheit sind sich Studien zu Veränderungsbereitschaft in einem Punkt einig: Ohne wirtschaftlichen Spielraum und ohne eine gewisse Grundstabilität scheitern Transformationsvorhaben eher — unabhängig davon, wie gut sie geplant sind.

Rechenweg

Wie aus zehn Dimensionen ein Score wird.

Jede Dimension wird über zwei bis fünf Fragen erhoben und auf einen Wert zwischen 0 und 100 normiert. Die zehn Dimensionen fließen unterschiedlich stark gewichtet in den Gesamtwert ein, ergänzt um einen zehnten, aus den Basisdaten abgeleiteten Faktor (Zeitfenster bis zur geplanten Nachfolge) — Dimensionen mit direkterem Bezug zur Nachfolgefrage zählen mehr als solche mit indirekterem Bezug. Die genaue Gewichtung veröffentlichen wir bewusst nicht: Sie ist Teil des Modells, nicht nur seiner Darstellung, und soll nicht 1:1 nachbaubar sein.

Der Gesamtwert ordnet den Betrieb einer von drei Sphären zu: „Inhaber-zentriert", „Team trägt mit" und „Weitgehend selbsttragend". Die genauen Grenzwerte zwischen den drei Stufen veröffentlichen wir aus demselben Grund nicht wie die Dimensionsgewichte — inhaltlich sind es aber keine statistisch hergeleiteten Schwellenwerte, sondern eine praxisnahe Einteilung in drei Entwicklungsstufen, wie sie auch die Selbstorganisationsforschung verwendet, um qualitative Sprünge zwischen Organisationsformen zu beschreiben.

Das erreichbare Potenzial ist kein fester Zielwert. Es ergibt sich aus den Antworten zu „Macht & Loslassen", „Coaching-Bereitschaft" und „Besitzverhältnisse" — je größer dort die Bereitschaft, desto größeren Teil des heute noch offenen Abstands schließt ein Plan-B-Pfad rechnerisch. Wie stark die Bereitschaft dabei durchschlägt, ist je Dimension verschieden: Abläufe zu dokumentieren gelingt weitgehend unabhängig von der Machtfrage, gelebte Selbstorganisation nicht. Die Fragen, die diese Bereitschaft messen, zählen bewusst nicht in den heutigen Gesamtwert ein — sonst würde dieselbe Antwort beide Seiten des Vergleichs verschieben und die Lücke zwischen „heute" und „erreichbar" systematisch schrumpfen. Diese Kopplung ist keine rein rechnerische Setzung: Sie spiegelt den in der Forschung wiederholt belegten Befund, dass Selbstorganisation ohne echte Bereitschaft der Führung, Macht abzugeben und sich selbst zu entwickeln, nicht funktioniert (siehe Bernstein u. a., Deci, Olafsen & Ryan sowie Bozer & Jones oben). Fällt die Bereitschaft zum Loslassen gering aus, deckelt der Check das Potenzial entsprechend — unabhängig davon, wie gut die übrigen Dimensionen abschneiden.

Was Forschung liefert — und was unsere eigene Kalibrierung ist.

Diese Trennung ist uns wichtiger als der Eindruck eines fertigen, validierten Messinstruments, das der Check heute noch nicht ist.

Aus der Forschung

  • Die Auswahl der zehn Themenfelder als eigenständige, jeweils erforschte Einflussgrößen.
  • Dass Selbstorganisation echte Bereitschaft zum Loslassen voraussetzt — das Knockout-Kriterium bei „Macht & Loslassen".
  • Dass psychologische Sicherheit, verteiltes Wissen und wirtschaftliche Stabilität eigenständige, empirisch untersuchte Erfolgsfaktoren von Wandel sind.

Eigene Kalibrierung (transparent ausgewiesen)

  • Die genaue Gewichtung der einzelnen Dimensionen (bewusst nicht veröffentlicht).
  • Die genauen Zonen-Grenzen zwischen den drei Entwicklungsstufen (ebenfalls nicht veröffentlicht).
  • Die Zeit- und Kostenformeln sowie die Geschäftsführungs-Gehaltsfaktoren nach Kompetenzprofil.

Diese Werte stammen aus eigener Projekterfahrung und öffentlich verfügbaren Vergütungsdaten (u. a. BBE-Gehaltsstrukturuntersuchung, Kienbaum-Vergütungsstudie 2025). Sie werden mit echten Projektdaten aus begleiteten Plan-B-Pfaden weiterentwickelt.

Literaturverzeichnis

  1. Trist, E. L. & Bamforth, K. W. (1951): Some Social and Psychological Consequences of the Longwall Method of Coal-Getting. Human Relations, 4(1), 3–38. Sage Journals
  2. Deci, E. L., Olafsen, A. H. & Ryan, R. M. (2017): Self-Determination Theory in Work Organizations: The State of a Science. Annual Review of Organizational Psychology and Organizational Behavior, 4, 19–43. PDF
  3. Bozer, G. & Jones, R. J. (2018): Understanding the Factors That Determine Workplace Coaching Effectiveness: A Systematic Literature Review. European Journal of Work and Organizational Psychology, 27(3), 342–361. Taylor & Francis
  4. London, M. & Smither, J. W. (2002): Feedback Orientation, Feedback Culture, and the Longitudinal Performance Management Process. Human Resource Management Review, 12(1), 81–100. ScienceDirect
  5. Kruse, D. & Blasi, J.: Employee Ownership, Employee Attitudes, and Firm Performance. NBER Working Paper Nr. 5277. NBER
  6. Nonaka, I. & Takeuchi, H. (1995): The Knowledge-Creating Company. Oxford University Press. Übersicht
  7. Managing Knowledge in Organizations: A Nonaka's SECI Model Operationalization (2019). Frontiers in Psychology. Frontiers
  8. Edmondson, A. (1999): Psychological Safety and Learning Behavior in Work Teams. Administrative Science Quarterly, 44(2), 350–383. Sage Journals
  9. Bernstein, E. u. a. (2016): Beyond the Holacracy Hype. Harvard Business Review, 94(7/8), 38–49. HBR
  10. Laloux, F. (2014): Reinventing Organizations. Nelson Parker. Praxisorientierte Fallstudien-Sammlung, keine peer-reviewte Forschung — dient hier als Ideengeber, nicht als empirischer Beleg. Übersicht
  11. TheDive, Inspiring Minds & Universität Leuphana: Die KI-Transformation verantwortungsvoll gestalten (Whitepaper). TheDive
  12. Mittelstand-Digital Zentrum Berlin: Smartes Wissensmanagement mit KI. Digitalzentrum Berlin
  13. Bourgeois, L. J. (1981): On the Measurement of Organizational Slack. Academy of Management Review, 6(1), 29–39. AOM
  14. Armenakis, A. A., Harris, S. G. & Mossholder, K. W. (1993): Creating Readiness for Organizational Change. Human Relations, 46(6), 681–703. Sage Journals
  15. DIHK-Report Unternehmensnachfolge 2025. DIHK
  16. IfM Bonn: Daten und Fakten Nr. 37 (2025). IfM Bonn
  17. BBE Gehaltsstrukturuntersuchung „GmbH-Geschäftsführer-Vergütungen", Erhebungsjahr 2024. VSRW-Verlag
  18. Kienbaum Vergütungsstudie Führungskräfte 2025. Kienbaum

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